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DIE INSELN DER FISCHZUNGEN - ODER: KOPFLOS AUF DEN LOFOTEN - 2019 - Teil 1

Andrea | 12.04.2019 | | Norway

Ihr werdet jetzt denken, schon wieder ein Reiseblog über die Lofoten. Aber es muss  einfach sein. Es ist wirklich eine Hammer-Traum-Lieblingslandschaft zum Nicht-Mehr-Nach-Hause-Zurückfliegen-Wollen. Also los:

 

Als wären die Alpen ins Meer gefallen, so ragen die Berge der nordnorwegischen Inselgruppe aus dem Nordmeer. Oder anders gesagt: Die Lofoten sehen so aus, als hätte man die Alpen bis zu einer Höhe von 3.000 m geflutet. Und nun schauen eben nur noch die Bergspitzen aus dem Wasser. Bis zu 1.200 m sind sie hoch und im Winter bei Sturm oft von stürmischer See umbrandet. Alles ist mit Schnee bestäubt. Und von Sonnenlicht überflutet. An Land spiegeln sich die Bergmassive in den Fjorden, sind auf den Kopf gestellt und nehmen im oft karibik-türkisfarbenen, durchsichtigen Wasser kein Ende. Das dramatische Bild der Lofoten mit schroffen, ungewöhnlich geformten Felsen, weiten und einsamen Tälern, Bergseen und idyllischen Fischerörtchen lockt inzwischen jede Menge Besucher im Jahr an, davon die meisten wohl Fotografen und Filmleute. Trotzdem war die angetroffene Anzahl dieses Mal doch sehr überschaubar und erträglich. Eine einzige Straße von oben bis unten nach Ä (das ist echt ein Ortsname!!): Die E10 - etwa 180 km lang. Plus viele kleine Zusatzsträßchen in die Landschaften und Fjorde hinein. Alles prima ausgeschildert.

 

So fühlt es sich jedenfalls für uns an, als Andreas K. (unser Freund aus Neuzelle) und wir Anfang März 2019 zwecks Fotografieren und Videodrehen die sagenumwobenen Inseln besuchen. Geflogen sind wir übrigens von Friedrichshafen über Frankfurt (35 min.) direkt nach Tromso (3 ¼ Stunden), das liegt noch höher im Norden. Eine gute Flugverbindung und gar nicht so teuer wie ursprünglich gedacht. Dort vorab einen mit Spikesreifen gespickten Alfa Romeo mit 4-Radantrieb gemietet und in 9 Stunden wieder in Richtung Süden gefahren, um dann unseren Bestimmungsort Leknes im südlichen Teil der Lofoten zu erreichen.

 

Gerade mal 24.000 Menschen trotzen übrigens auf den Inseln von Austvagöy im Norden bis Röst im Süden dem Polarwinter. Dank des Golfstroms sinkt die Durchschnittstemperatur aber nicht unter -1°C und die Häfen bleiben meist eisfrei. Nachts wird es doch empfindlich kalt, vor allem, wenn Wind geht. Also sehr warme Klamotten im Zwiebellook mitnehmen, superdicke Handschuhe und beste, gefütterte, noch dickere Winterstiefel plus ohrendichte Mütze. Schnee gab es in unseren 12 Tagen in Hülle und Fülle - 2 m oder mehr keine Seltenheit. Und den einen oder anderen sehr heftigen Schneesturm. Aber alles Dank der trockenen Kälte federleicht und knarrig wie Puderzuckerstaub. Nirgends Schneematsch. Die Straßen (inkl. die E10) haben fast überall eine festgefahrene Schnee-/Eisdecke von etwa 2 bis 3 cm Dicke mit merkwürdigen Riffeln drauf. Knallhart, aber nicht zu unterschätzen. Aufpassen musste man auch auf die sehr schnell fahrenden, breiten und überall einsatzbereiten Schneeräum-LKW! Also mindestens gescheite Winterreifen, am Besten wie gesagt mit den in Deutschland verbotenen Spikes. Dann fährt es sich prima auf diesem Belag.
Und noch eines ist uns als "ganz besonders positiv" aufgefallen in Norwegen: Jeder Autofahrer, wirklich jeder, auch Autobus- und LKW-Fahrer hält an, wenn Du Anstalten machst, über eine Straße gehen zu wollen. Mit einem Lächeln im Gesicht, nicht etwa grummelig oder stirnrunzelnd. Welch Vorbilder für die restliche Welt!

 

DIE KLEINEN EISWUNDER

 

Es gibt sie bestimmt nur im Winter. Und man sieht sie oft beim Autofahren, wenn man auf die Fjordufer blickt. Aber auch mitten in einsamen Gegenden an Bergseen kann man sie antreffen, wenn man zu Fuß an den Rand des Wassers läuft. Kleine fotogene Dinger. Es knackt und  knarzt in ihrer Nähe, wenn die Sonne scheint. Und irgendetwas scheint sich dauernd zu bewegen bei ihnen oder besser gesagt an ihnen. Sie haben keinen Namen. Aber wir haben ihnen Namen gegeben: Was haltet Ihr von "Aufplatzenden Dinoeiern"? Oder gar von "Explodierenden Mini-Eisvulkanen"? Geheimnis gelüftet: Wir sprechen von den, im eisigen Wasser der Fjorde an deren Ufer liegenden, eher kleinen schwarzen oder dunkelbraunen Felsen. Was, das soll es jetzt sein?!! Nein, da kommt noch etwas Entscheidendes dazu. Nämlich Wasser. Gefrorenes Wasser. Der kleine Felsen oder Stein wird ständig von Wasser per Welle umspült. Ist es kalt genug draußen, bildet sich so langsam aber sicher eine dünne, dann immer dickere Eishülle oder -kruste drum herum. Bis er völlig eingeschlossen ist. Viele solcher Gebilde zusammen sehen dann am Ufer so aus, dass alle Felsen respektive Steine wie von einer flüssigen halbdurchsichtigen, grau-weißen Creme übergossen wurden. Irgendwie ganz weich. So weit so gut. Scheint dann später die wärmende Sonne darauf, platzen diese Dinger plötzlich oben an der Spitze auf. Es knackt und knirscht nun ständig. Das Loch im Eis wird immer größer und man sieht den dunklen Felsen darunter wieder. Gleichzeitig bricht an deren Seite die "Eiscreme" weiter auf und es bilden sich kleine durchsichtige Eisplatten, die sich wie schützend gegen den Stein lehnen. In der Wärme bewegen sie sich scheinbar, da sie ja weiter schmelzen. Manche kippen um, manche verschieben sich gegeneinander. Das Dinoei öffnet sich nun vollständig. Der Eisvulkan steht kurz vor der Eruption. Schaut sie Euch an auf den Fotos. Total witzig. Das nächste Mal müsste man einmal ein Timelapse-Video von einem solchen Ausbruch machen, oder?!

 

Gleichzeitig können auf den halb zugefrorenen Fjorduferpassagen kleine Eisgebilde entstehen durch die ständige Bewegung des unter der dünnen Eisschicht nicht gefrorenen Wassers. Teilweise wird das Eis oder kleine Eisplättchen an der Oberfläche zusammengeschoben. Und dann sehen sie wie von Wunder- bzw. von Künstlerhand geschaffene, Hunderte von kleinen Segelschiffen in einem Eismeer aus. Wunderschön zu fotografieren im Gegenlicht der Sonne.

 

Wir sprechen immer noch in den höchsten Tönen von allen diesen Pastellfarben am Abend und am Morgen. Wir lieben das. Zarthellblau, leicht aprikotfarben, hellweiss, leichtes grau, rosa in allen Varianten, teilweise sogar blassviolett, gelblich. Der Wahnsinn! Schön abgebildet (natürlich) am Himmel, aber insbesondere auch widergespiegelt in stillstehenden Gewässern der Fjorde und Bergseen und an den schneebestäubten Hängen der Traumberge. Vor und kurz nach Sonnenaufgang ganz früh morgens oder abends während des Sonnenuntergangs. Sie fotografisch gescheit zu erfassen, is not so easy. Da haben wir noch nicht alles ausprobiert, der nächste Besuch wartet förmlich darauf.

 

Zum Ende dieses Blogabschnitts noch ein kleiner Ratschlag für alle Fotografen und Fotografinnen, die es noch nicht wissen: Auf den Lofoten, die ja am Nordmeer liegen, stets rechtzeitig auf Ebbe und Flut achten bei Deiner/Eurer Fotoplanung. Und unbedingt: Drohnenfotos oder -videos sind von uns strengstens empfohlen.

 


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