
Wer an Madagaskar "am Rande von Ostafrika" denkt, hat bestimmt unberührte Tropenwälder, kristallblaues Wasser und exotische Tierarten vor Augen. Stimmt alles. In Wahrheit bietet der Inselstaat aber noch viel mehr. Entdecke einzigartige Landschaften, Reisfelder und Kulturen, Vanille und den typischen Pfeffer. Madagaskar ist Heimat einzigartiger Tiere und Pflanzen, die nur hier existieren. Das Naturparadies gilt als wahrer Sehnsuchtsort mit einer Bevölkerung, die stets ein Lächeln auf den Lippen hat. Mit einer Fläche von knapp 600.000 qkm ist Madagaskar mit rund 33 Mio. Einwohnern die viertgrößte Insel der Welt. Nur Grönland, Neuguinea und Borneo sind noch größer. Sie wird auch als "6. Kontinent" bezeichnet. Also ein sehr spannender Ort für uns, den wir jetzt endlich auch einmal besuchen durften.
Von der Hauptstadt Antananarivo aus geht es in Richtung Osten der Insel. Wir brauchen lange, um uns durch die engen überfüllten Straßen mit rechts und links vielen kleinen Ständen, Mopeds, Verkäufern und Menschen und später durch die riesige Innenstadt zu quälen. Da helfen auch die vielen Polizisten, die an Kreisverkehren stehen, nicht. Sie geben sich allergrößte Mühe, aber alles fährt mehr oder weniger kreuz und quer durcheinander. Nach 2 1/2 Stunden Fahrt sind wir endlich bei den Chamäleons angekommen. Es ist drückend heiß und schwül. Wir sind total überrascht, denn wir sehen aus allernächster Nähe. Die kleinen Dinger sind wirklich unfassbar und sehen teilweise aus wie kleine Drachen, nur das Feuer fehlt eigentlich noch. Die farbigen Krabbelviecher können in 360°-Richtung sehen. Das sieht total urkomisch aus. Ein Auge guckt nach vorne, ein Auge guckt nach hinten.
Kaum da empfangen uns die ersten stillen Meister der Tarnung. Chamäleons - Wesen, die wirken, als hätte die Natur selbst einen Moment lang innegehalten, um mit größter Geduld an ihnen zu arbeiten. Manche dieser Tiere eher klein, andere beeindruckend majestätisch, doch alle verbindet derselbe Zauber: Dieser leise, beinahe meditative Blick auf eine Welt, die sich langsam entfaltet, ganz ohne Eile. Anmerkung: Nur die „Männer“ waren so richtig bunt, denn heute ist Paarungszeit. Und man(n) möchte und muss farblich bei den Mädels beeindrucken, wenn das was werden soll).
Wir besuchen einen kleinen Nationalpark. Nachdem wir dort durch den subtropischen, heißfeuchten Wald viele steinerne und glitschige Treppenstufen hoch gelaufen sind und längere Zeit mit vielen Augen vergeblich in die Baumwipfel geschaut haben (weil wir dort die berühmten Affen Madagascars, die Lemuren zum ersten Mal sehen wollten) kehren wir zu unserem großen Bedauern unverrichteter Dinge wieder zurück. Auf halbem Weg hat unser Reiseleiter die Idee, stattdessen ein noch viel kleineres Tier zu fangen und zum Fotografieren „freizugeben“: Einen seltenen, kleinen knallgelben Frosch. Der ist wirklich super süß und wird auf großen grünen Palmenblättern präsentiert. Zusätzlich kommt eine herkömmliche Sprühflasche mit Wasser gefüllt zum Einsatz, damit der Frosch auch pitschnass aussieht und ganz viele Wasserperlen aufweist. Das gibt den Fotos noch den letzten Pepp. Madagaskar hieß im 18. Jhd. für Biologen Lemuria. Das Wort Lemur ist lateinischen Ursprungs. In der römischen Mythologie steht Lemur für die nächtlich umherschweifenden Seelen der Verstorbenen. Als sich die Insel vor ca. 150 Mio. Jahren von Afrika abspaltete, gab es noch keine Primaten. Die Vorfahren der Lemuren sind vermutlich nach der Abdrift Madagaskars auf dem Kontinent in Afrika entstanden. Inzwischen leben hier über 105 verschiedene Lemurenarten. Diese Affen gibt es nur hier. Man nennt das im Fachjargon endemisch. Von überall kommen sie nun her: schwarz-weiß, braun, grau, leuchtend rehbraun/-rot, gelblich. In allen Variationen und alle haben diese wunderschönen Augen, die uns anschauen. Sie springen, tanzen, klettern ohne Pause. Und fressen junge Bambusäste und süsse Bananenstückchen.
Die Qualität von deutschen Autobahnen hat aber die von uns benutzte Nationalstraße ganz und gar nicht. Sie wird ganz oft nur mehr als notdürftig ausgebessert, ein gemütliches Fahren ist hier überhaupt nicht angesagt. Denn ungefähr alle halbe Kilometer gibt es riesige Schlaglöcher. Außerdem ist diese Straße super schmal und hat zahlreiche, sehr sehr enge Kurven. Da sie die einzige Verbindung zwischen Osten und Westen und der Mitte bzw. der Hauptstadt von Madagaskar ist, fahren hier unendlich viele Trucks und Lastwagen. Unterwegs sehen wir einen LKW umgekippt im Straßengraben - voll beladen mit großen Pflastersteinen. Oder sie werden mitten auf der Straße quasi „am offenen Herzen“ repariert. Sprich: Die Motorhaube steht sperrangelweit offen, der Motor ist herausgenommen und die Fahrer und weitere Personen versuchen das kaputte Teil mitten auf der Strasse - in ihren Einzelteilen zerlegt - wieder in Gang zu setzen. Sowas gibt’s nur hier. Unterwegs halten wir in einem kleinen Ort und besuchen einen farbigen und lebendigen Markt. Es macht Freude, Fotos von den Menschen hier zu machen. Denn die Madagassen sind ein wirklich sehr freundliches Volk. Fast alle lächeln, wenn man sie anschaut, geben einem die Hand, versuchen auf Französisch irgendwas zu erklären oder zu verkaufen.
Berührungsängste scheinen sie gar nicht zu haben. Eine tolle Art, fremde Europäer zu empfangen und mit ihnen zu kommunizieren. Wir denken uns insgeheim, es wäre toll, wenn das in Europa und speziell in Deutschland genauso wäre. Angekommen am Ufer des indischen Ozeans steigen wir in eine kleine Piroge (eine Art Barkasse) und fahren 40 km nordwärts auf einem - von Franzosen in der Kolonialzeit künstlich angelegten - Kanal parallel zum Ufer des Meeres. Er sieht aber nicht wie ein solcher aus, sondern wie eine romantische wunderschöne Wasserstrasse umsäumt von Grün.
Um unsere romantische Lodge herum gibt es einen kleinen Wald, das Lemurenreservat. Ihre Gesänge gehören zu den eindruckvollsten, die die Tierwelt zu bieten hat: Man kann die Stimmen der Indri-Indris kilometerweit durch den Wald schallen hören, und sie tragen eine eigentümliche Traurigkeit mit sich. Angeführt und begonnen wird der Gesang stets vom Elternpaar einer Familie, das damit sein Revier absteckt, aber auch mit anderen Familien kommuniziert und warnt. Die anderen Tiere der Familie steigen in den Gesang ein, um ihn lauter und eindrucksvoller klingen zu lassen. Man hört sie am Morgen singen - ein unfassbares, grandioses Erlebnis, mit einem solchen Chor im Regenwald den Tag zu beginnen. Und es gibt sie nur in Madagaskar. Babakoto, übersetzt Waldgeist, heißt der Indri-Indri in der Sprache der Madagassen. Der Gesang des Primaten gilt als betörend und gleicht - das haben Forscher nun herausgefunden - in einigen Elementen der Musik von Menschen.
„Der Indri-Indri ist eine Mischung aus einem Teddybären und einem langbeinigen Gespenstertier“, wird er oft beschrieben, „Zum einen ist er unheimlich wollig und dann hat er unglaublich lange Gliedmaßen, vor allem lange Beine. Sie springen rückwärts und dann mit so riesigen Sprüngen. Diese Füße und langen Beine sind etwas, was einen anrührt, als könnte es dieses Tier auf der Welt gar nicht geben.“ Sie sind die größten Lemuren Madagaskars. Das schwarze Gesicht ist eingerahmt von weißem Fell, und schwarze, kreisrunde Ohren lugen aus dem dichten Plüsch. Scheinbar federleicht springen sie von Baum zu Baum. Auf den Boden kommen Indris äußerst selten, ihr Lebensraum liegt in den Baumkronen. Ihr Speiseplan ist sehr ausgefallen, und besteht aus vorwiegend jungen Blättern von über 40 verschiedenen Bäumen. Lorbeergewächse sind besonders beliebt. Ab und zu wird die grüne Diät mit Blüten, Früchten, Samen und Rinde ergänzt - je nachdem, was im Wald gerade verfügbar ist. Und nicht zu vergessen: Süsse, matschige Bananen. Irgendwann war dieser Lemuren-Wald mit seinen zahlreichen, unterschiedlichen Lemuren zu Ende und wir sind am Ufer des indischen Ozeans angelangt, wo wir einen besonders seltenen, türkisblauen-gelben Frosch finden. Uns läuft der Schweiß herunter, weil es einfach unfassbar feuchtwarm draußen ist.
Und an dieser Stelle erzählen wir ein wenig über drei besondere Eigenschaften Madagaskars: Den berühmten Madagaskar-Pfeffer, die Bourbon-Vanille und das Korn des Lebens auf der Insel, den Reis. Schon immer haben die Gewürze die Welt bewegt und ihretwegen wurden Kriege geführt oder Kontinent entdeckt. Die Insel Madagaskar ist schon lange für seine kostbare Vanille berühmt. Nach Safran zählt dieses Gewürz nämlich zu den teuersten der Welt. 50 % der heutigen weltweit produzierten Vanille kommt aus Madagaskar. Die Insel ist damit der weltweit größte Produzent von Bourbon-Vanille, bekannt für ihr reiches, cremiges Aroma und wird oft als "schwarzes Gold" bezeichnet, da der Anbau (Blütenbestäubung von Hand, monatelange Verarbeitung) sehr aufwendig ist und 70 - 80 % der Weltproduktion ausmacht, hauptsächlich aus der Sava-Region.
Diese „echte“ hochwertige Vanille, die auch auf Réunion, den Komoren und Mauritius angebaut wird, zeichnet sich durch fleischige, ölreiche Schoten aus und ist beliebt in der Küche und Aromaindustrie. Madagaskar-Pfeffer bezieht sich meist auf den seltenen, wild wachsenden Voatsiperifery-Pfeffer, einen echten Pfeffer mit erdigen, frischen, leicht zitronigen Noten und milder Schärfe, der manuell aus den tropischen Wäldern der Insel geerntet wird, oft von bis zu 30 m hohen Bäumen. Er unterscheidet sich vom gängigen Plantagenpfeffer und ist bekannt für seine einzigartige Aroma-Komplexität, die gut zu Fleisch, Fisch, Gemüse, Salaten und sogar Schokolade passt. Der Reis oder “Vary“ auf madagassisch spielt eine wichtige Rolle in der madagassischen Küche. Er ist das unverzichtbare Grundnahrungsmittel der Madagassen, denn Reis ist sozusagen das Zentrum des Lebens und wird 3mal am Tag in grossen Mengen gegessen: morgens, mittags und abends. Die Angehörigen der Volksgruppe der Betsileo sind die Meister im Anbau dieses Grundnahrungsmittels, das aber auch in den meisten anderen Regionen der Insel angebaut wird. “Reis essen“ bedeutet in der madagassischen Sprache “sich satt essen“ und gesättigt fühlt sich jeder Madagasse, der ein Teller “Bergreis“ vor sich hat. Reis wird zu jedem Essen serviert und nimmt meist auch das Hauptvolumen auf dem Teller ein. Dazu kann man verschiedene “Laoka“ oder Zutaten bestellen: Gemüse, Blattgemüse … mit oder ohne Fleischstückchen.
Wir lassen uns am nächsten Tag vom gemächlichen Lebensrhythmus der Ostmadagasser im versteckten Andranokoditra verzaubern und genießen einen superinteressanten Besuch. In diesem kleinen Fischerdorf, eingebettet zwischen dem Pangalanes-Kanal und dem Indischen Ozean, steht Entspannung an erster Stelle, und die Traditionen prägen den Alltag der Einheimischen. Andranokoditra vereint alles für einen angenehmen Aufenthalt: herzliche Menschen, einen paradiesischen Strand und ein idyllisches Panorama.
Das Dorfleben ist sehr lebendig sowohl im Herzen des Dorfes als auch in den traditionellen Falafa-Hütten. Hier leben tatsächlich über 450 Menschen. Es ist viel größer, als wir uns es vorgestellt haben. Wir erfahren, dass die durchschnittliche Anzahl von Kindern pro Familien bei 7 - 10 liegt. Unglaublich! Auf unsere Frage, weshalb die Eheleute so oft so viele Kinder in die Welt setzen, bekommen wir zur Antwort, dass die Madagassen einen großen Hang zur Romantik haben und die Kinder sind dann eben das Ergebnis daraus. Die Sprösslinge können alle in die hiesige Schule gehen, aber maximal für zwei Jahre. Sie lernen dort rechnen und schreiben. Allerdings meistens nur ihren eigenen Namen. Nur ganz wenige haben offensichtlich die Chance, diesen Ort zu verlassen und sich an anderer Stelle weiterzubilden und dazu zu lernen. Ansonsten teilen sie das Schicksal ihrer Eltern und bleiben ihr Leben lang hier.
Ganz erstaunlich ist wieder, wie freundlich diese Menschen trotz ihrer nicht ganz einfachen Lebensart zwischen dem Wasserkanal und dem indischen Ozean ist. Niemand hat Probleme damit, sich fotografieren zu lassen. Alle haben ein Lächeln auf dem Gesicht und versuchen, mit einem zu reden. Das klappt meistens überhaupt nicht, da wir weder französisch sprechen, noch - wenn wir es doch könnten - das Madagaskar-Französisch verstehen würden. Wenn sich doch nur viel mehr Menschen auf der Welt (und besonders auch in unserem schönen Deutschland) dieser freundlichen, offenen und kontaktfreudigen Art der Kommunikation anschließen könnten, denken wir insgeheim.
Wenn man diesen Dorfnamen in Google eingibt, findet man dort den Hinweis, dass dies ein Bahnhof ist, den man unbedingt besuchen sollte. Wer das wohl dort hineingesetzt hat??!! Tatsächlich geht ein einziges Gleis quer durch den Ort und es steht auch ein wenig lesbares Schild an einer Hütte. Wir bekommen erzählt, dass dies der Bahnhof ist. Allerdings fährt ein Güterzug hier nur ein oder zweimal in der Woche vorbei. Ansonsten liegen rechts und links von den Gleisen Handtücher, Bettzeug, Hosen, Blusen, Unterhosen, T-Shirts und noch viel mehr. Zum Trocknen natürlich. Bei diesem Klima und der gleissenden Sonne kein Thema von mehreren Stunden. Tja, auch das ist Madagaskar.
Wenn man einmal quer durch das Dorf über sandige Wege zwischen den Hütten hindurch geht und das Gleis überquert, kommt man schnell an einen schneeweißen, feinsandigen Strand umsäumt von Palmen. Wir sind am indischen Ozean gelandet. Der Strand ist übersäht von „Einbäumen“: Schmalen, länglichen und aus dicken Baumstämmen gebauten Booten, mit denen die Einwohner (meistens die Männer) zum Fischen raus aufs Meer fahren. Es scheint hier wie eine riesige Idylle zu sein. Keine Flugzeuge, keine Autos, kein Krach, alles ist sauber, kein Plastik. Das Wasser ist glasklar. Alles fast wie im Paradies.
Am nächsten Tage erreichen wir mit dem Flieger in Morondava, ein kleines Dorf oder Stadt (wir wissen nicht, was es wirklich ist) an der Westküste Madagaskars - quasi gegenüber Ostafrika gelegen. Wir sehen vom Flugzeug aus das blaue Meer und die schönen Wellen. Die Propellermaschine landet sanft und wir sind da. Als wir aus der Maschine aussteigen, empfängt uns eine Hitzebombe. Komplett anders als auf der Ostseite von Madagaskar. Es ist staubtrocken. Von Regenwald keine Spur mehr. Wir empfinden das Klima hier trotzdem als wesentlich angenehmer, da die super Luftfeuchtigkeit hier nicht mehr vorhanden ist. Hier regiert die Steppe, wenig Grün ist zu sehen, jede Menge Palmen und ab und zu die berühmten Baobabs.
Nach einer etwas abenteuerlichen Fahrt erreichen wir die wunderschönen und riesigen Affenbrotbäume der berühmten Baobab-Allee von Madagaskar. Die monströsen Dinger sind wirklich gigantisch. Der Stamm ist unfassbar dick. Wir schätzen, dass es ungefähr sechs Männer braucht, die mit ausgebreiteten Armen den Stamm umfassen können. Ganz oben finden sich mitteldicke Äste und dann kommen ganz dürre, dünne Ästchen, die in den Himmel ragen (im Zeitraum von April bis Oktober - davor und danach hat er wie bei uns Blätter). Es sieht wirklich ganz ungewöhnlich und bizarr aus. Wie von einem anderen Stern.
In der Mitte dieser links und rechts fast in einer Reihe gewachsenen Riesenbäume verläuft eine staubige Piste, auf der jede Menge Menschen entweder entlang laufen oder fahren. Ganz oft sehen wir hölzerne Karren, die von zwei schweren Ochsen gezogen werden. Was für ein Gegensatz. Was wir - nicht nur fotografisch betrachtet- super schön finden, sind die dunkelhäutigen Menschen. Meistens sind es Frauen und Kinder. Sie leuchten uns mit ihrem farbigen Klamotten entgegen. Die Kinder stehen am Straßenrand oftmals in kleinen und größeren Gruppen und tanzen afrikanische Tänze. Die ganz Kleinen stehen mit umgedrehten Strohhüten davor und versuchen Geld einzusammeln. Sie murmeln ohne Unterlass so etwas wie „Monnä, monnä“ …. Unabhängig davon sind alle begeistert, wenn sie fotografiert werden. Manchmal sind sie sehr albern, manchmal versuchen sie kleine Fotomodelle zu sein und manche gucken einfach wunderschön in die Kameralinse. Und alle freuen sich wie afrikanische Schneekönige/innen, wenn man ihnen ihnen eigenes Foto zeigt. Sie lachen sich kaputt. Ein geniales Fotomotiv nach dem anderen.
Dann geht langsam die Sonne unter. Hinter den riesigen Baobabs. Er scheint zunächst so zu sein, dass unser heutiger Sunset nicht so doll ist. Aber nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, explodiert der Himmel in traumhaften Farben. Erst orange, dann rot, dann pinkfarben und darüber der blaue Himmel mit weißen Federwolken. Ein Hammer!!!
Uns umgeben gleichzeitig - wie schon oft in dieser Welt - weibliche (und ein paar wenige männliche) Wesen aus dem großen China. Ungefähr 25 Frauen. Allesamt bestens gekleidet in luftigen, wirklich schönen und farbigen Kleidern. Ungewöhnlicherweise sprechen ganz viele Englisch. Sie sind sehr aufgeschlossen, offen und lustig. Andrea gibt ihnen offline Foto-Unterricht und zeigt, wie man schön im Sonnenlicht die Farben ihrer Kleidung und ihre Gesichter noch besser zur Geltung bringt. Sie freuen sich sehr darüber und machen bestimmt 1 Mio. Selfies. Eine China-Dame scheint eine Art Profi zu sein. Sie macht knapp 2 Stunden lang Videoselfies von sich und posiert dazu fast professionell vor ihrem Smartphone. Andrea und ich wir beschließen spontan, ein wenig von unserem Vorurteil bezüglich Chinesen und Chinesinnen abzugehen und geben dieser Gruppe von 25 Damen die Note gut bis sehr gut. Wenn nur mehr aus diesem riesigen Land so wären. Es war wirklich total lustig, sie anzuschauen und mit ihnen zu sprechen. Einfach toll!
Wir sehen ab sofort sehr viele der riesigen Baobabs. Sie sind in vielen afrikanischen Ländern verbreitet und gelten als Symbol für Afrika. Es wird gesagt, dass der Baum eine magische Bedeutung für die Afrikaner hat. Sein Name stammt vom arabischen Wort „bu hibb“, was übersetzt „Haus des Lebens“ bedeutet. Er ist ein wichtiges Element in der afrikanischen Kultur und Tradition und hat viele Bedeutungen. Daher jetzt ein bißchen mehr über ihn:
In ferner Vorzeit, als die Götter die Erde formten, pflanzten sie den Baobab mit guten Absichten in das feuchte und grüne Kongo-Becken. Doch der Baobab fand keinen Gefallen an diesem Ort und beschwerte sich bei den Göttern. Diese, in ihrer Güte, boten ihm einen neuen Lebensraum an- den Berg des Mondes in Uganda. Eine Weile herrschte Stille, bis der Baobab erneut unzufrieden wurde. Er fand, dass sein Raum zu begrenzt sei und wandte sich deswegen erneut an die Götter. Sie pflanzten ihn an einen trockenen, heißen Ort in der Savanne, wo er ausreichend Raum für sein ausgedehntes Wurzelwerk hatte. Doch bald darauf hegte er einen weiteren Wunsch. Er begehrte einen imposanteren Stamm, der ihn von den anderen Bäumen abheben würde. Die Götter gewährten auch diesen Wunsch, doch sie erkannten bald, dass der Baobab nie zufrieden zu stellen schien. Seine Ansprüche kannten keine Grenzen. Er verlangte nun eine zarte, sanfte Rinde und Früchte von samtiger Pracht, denn er betrachtete sich selbst als etwas ganz Besonderes. Schließlich ging sein Hochmut noch weiter und er forderte goldene Blüten, um sich in der Savanne hervorzuheben. Die Götter waren verärgert über seine Maßlosigkeit. Sie zogen ihn samt seinen Wurzeln aus der Erde und steckten ihn kopfüber in ein tiefes Erdloch. Seit diesem Tag hat man keinen Laut des Klagens von ihm gehört. Die wurzelähnlichen Äste, die er bis heute in den Himmel streckt, erinnern eindringlich an die Gefahren von Hochmut und Maßlosigkeit.
Der Baobab-Baum kann sehr alt werden und bis zu 20 m hoch und über 10 m breit werden. In Ostafrika gibt es oft eine charakteristische Flaschenform des Stamms, bei der sich der Stamm abrupt in einer Höhe von einigen Metern verzweigt. Er hat auch große Blätter, die etwa 15 cm lang sind und dies macht ihn so einzigartig unter Bäumen. Er ist für Afrika sehr bedeutend, da er als Symbol des Lebens betrachtet wird. Für viele Menschen repräsentiert der Baobab den Ort, an dem sie ihre Familien gründen und feiern können. Er ist auch ein Symbol der Hoffnung, da der Baum so langlebig ist und somit viel Wissen in sich trägt. Darüber hinaus hat der Baobab-Baum noch weitere Bedeutungen für die Afrikaner: Er steht für Kraft und Widerstandsfähigkeit, für den Schutz vor bösen Geistern und Dämonen sowie für Weisheit und Geduld und schließlich für Gemeinschaft. All diese Eigenschaften machen ihn zu einem Zeichen von Stärke und Mut für die Menschen in Afrika.
Der Baobab ist nicht nur der imposanteste Baum in Afrika, sondern auch einer der nützlichsten. Sein Holz eignet sich nicht zum Bauen oder Schnitzen, doch sein schwammiges Inneres ist ein hervorragender Wasserspeicher für Mensch und Tier. Durstige Elefanten brechen manchmal seine Rinde auf, um an das kostbare Wasser zu gelangen. Viele Dörfer haben sich gerade in der Nähe eines Baobabs angesiedelt. Außerdem bietet der Affenbrotbaum vielen Tieren ein Zuhause, Nahrung und Schutz. Antilopen und Buschbabies schätzen die Früchte des Baobabs, während die Menschen sie als Heilmittel bei verschiedenen Beschwerden nutzen. Die Blätter werden bei Magen-Darm-Beschwerden verwendet und die Samen helfen gegen Zahnschmerzen und Malariasymptomen. Ein wahrlich praktischer Baum, der wie eine lebende Apotheke in der Savanne steht.
Zum Abschluß treffen wir auf die tanzenden Sifakas. Berühmt sind sie für ihre ungewöhnliche Fortbewegung am Boden: Wenn sie nicht von Baum zu Baum springen können, bewegen sie sich aufrecht hüpfend seitwärts, überkreuzen dabei ihre Beine und heben ihre Arme in die Lüfte - eine Bewegung, die wie ein Tanz aussieht und ihnen ihren Spitznamen eingebracht hat. Diese Lemuren leben in sozialen Gruppen und kommunizieren mit Rufen, Blicken und Duftmarkierungen. Leider sind viele Sifaka-Arten stark bedroht. Die Zerstörung ihres Lebensraums durch Abholzung und Brandrodung ist die größte Gefahr für ihr Überleben. Sie sind ein einzigartiges Symbol für die außergewöhnliche Tierwelt Madagaskars und zeigen, wie wichtig der Schutz dieser besonderen Insel ist.
Es gibt auch noch echt superkleine Lemuren, die Mausmakis sind mit einer Grösse (Kopf und Körper) von nur 8 cm sehr klein. Je nach Jahreszeit liegt ihr Körpergewicht zwischen 30 und 55 gr. Ihre Wohnungen befinden sich in ausgehöhlten Baumstämmen oder -Ästen mit Haustür-Loch.
Das war es nun leider auf Madagaskar und unsere Zeit hier ist zu Ende. Aber wir haben uns entschlossen, im Jahr 2027 nochmals wiederzukommen. Denn es gibt auf dieser wundersamen Insel noch viel mehr zu entdecken......!
1. Extrem freundliche und lächelnde Menschen. Schenkst du ihnen ein Lächeln oder einen Gruß, bekommst du beides zurück.
2. Die Mosquitos hielten sich sehr in Grenzen. Die 4 Flaschen Deet-Mückenspray nehmen wir wieder mit.
3. Lemuren, Chamäleons, Frösche und Vögel sind einzigartig und extrem fotogen. Ein Eldorado für Fotografen.
4. Die vielen bunten Farben auf den Märkten und die Kleider der Einheimischen sind unglaublich.
5. Das Essen war wirklich gut hier.
6. Unser Guide und die Fahrer waren zuverlässig, pünktlich und hilfsbereit. Sie fuhren behutsam über die schlechten Straßen, eine ungewollte Rückenmassage blieb trotzdem nicht aus.
7. Alles war am allerletzten Reisetag (noch) perfekt. Dann sind wir über einen Wochenmarkt gegangen, dichtes Gedränge und eine Gelegenheit, Matthias iPhone aus der geschlossenen Hosentasche zu klauen. Alle Videos und Bilder weg, wir haben natürlich gleich alle Karten gesperrt. Die Polizei braucht die sog. IMEI-Nummer des iPhones, um nach ihm zu fahnden zu können. Vielleicht haben wir Glück.
8. Übrigens: Es sind keine Stromadapter notwendig, denn die europäischen Stecker (Flachstecker) passen hier überall.
So geht der Urlaub etwas unglücklich zu Ende.
Unser versierter, sehr freundlicher und immer hilfsbereiter Reiseleiter heißt N.S. Elysé Randrianasolo (31). Er ist mit Leidenschaft und Herzblut Gründer/Inhaber von MLT mit über 10 Jahren Reiseleitererfahrung. In der Hauptstadt Antananarivo geboren lebt er dort mit seiner Familie. Er hat Germanistik studiert und spreche neben Malagasy auch Deutsch, Französisch und Englisch:
"Madagaskar erleben mit einem Guide, der sein Land liebt: Persönlich wird er Dich als seinen Gast immer mit einem freundlichen Lächeln betreuen und Dir die facettenreiche Insel Madagaskar zeigen. Dieses einzigartige Land mit seinen spektakulären Landschaften, faszinierenden Tieren und der warmherzigen Kultur. Seine Begeisterung für diese Insel möchte er gerne mit Dir teilen. Er ist dein direkter Ansprechpartner und begleitet Dich während der gesamten Reise. Mit ihm tauchst Du nicht nur in die Kultur und Lebensweisen der Einheimischen ein, sondern entdeckst die unglaubliche und einzigartige Tier– und Pflanzenwelt der großen Insel. Madagaskar kennt Elysé in- und auswendig: Von den majestätischen Baobabs bis hin zu den versteckten Buchten, die nur Einheimische kennen. Mit seiner Erfahrung und seinem Wissen über Madagaskar garantiert er Dir unvergessliche Abenteuer, die kein Reiseveranstalter in dieser Art und Weise anbieten kann."
Mit ihm werden wir 2027 den großen Rest der Insel in aller Ruhe erkunden. Und mit ihm kannst Du wirklich eine tolle, spannende Reise auf Madagaskar erleben. Wir können ihn uneingeschränkt für eine Tourbuchung empfehlen. Besuche mal seine frisch gebackene, neue Webseite (s.u.). Hier sind seine Kontaktdaten:
MADAGASKAR LIVE TRAVEL
N.S. Elysé Randrianasolo
Lot 299 AXI/01 Ambohidratrimo
105 Antananarivo, Madagaskar
Tel.: +261 (0) 34 09 922 52
E-Mail: madagaskarlivetravel@gmail.com
Web: www.m-livetravel.com