MADEIRA, DAS HAWAII EUROPAS 2026

Andrea
12.05.2026
Travel
Portugal

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Nach einer kostenlosen Flughafen Frankfurt-Rundfahrt mit dem Bus - Dauer 40 Minuten - finden wir endlich unser Flugzeug der Alaska Airlines, die in Kooperation mit Condor fliegen. Echt, am letzten Ende des Flughafens steht sie, schön grün-weiß gestreift. Dafür können wir gleich starten, denn wir stehen am Anfang der Startbahn. Kaum sitzen wir im Flieger warten wir noch viele Minuten auf die Start-Freigabe. Oder auf einen freien Slot wie der Kapitän uns erklärt. Es liegt an Funchal. Regen und starker Wind verhindern ein gesundes Landen und viele Maschinen befinden sich in einer Warteschleife. Die Stewardess zeigt uns inzwischen die Neuerung dieser Maschine. Grellbunte LEDs erleuchten den Gang über uns. Ein Ferienflieger eben! Was wir auch nicht wussten, ein Becher Wasser muss bezahlt werden, zumindest bei Condor. Finden wir ziemlich daneben. Funchals Landebahn ist wirklich ein Abenteuer: Sie ist 2.777 m lang, 45 m breit und berühmt für ihre spektakuläre Konstruktion über dem Meer. Sie gilt aufgrund von starken Winden, Fallwinden und einer erforderlichen, manuellen Flugkurve im Endanflug als eine der anspruchsvollsten weltweit. Die heutige Landebahn wurde im Jahr 2000 eröffnet und ruht auf einer Brückenkonstruktion mit 180 Betonpfeilern, von denen einige bis zu 120 Meter lang sind. Aufgrund der Lage zwischen Bergen und Meer erfordert der Anflug oft mit einem sog. "Dogleg"-Manöver höchstes fliegerisches Können. Piloten benötigen daher eine spezielle Schulung. Nach gefährlichen Zwischenfällen in den 1970er Jahren wurde die ursprüngliche 1.600-m-Bahn auf die heutige Länge verlängert. Nur drei Flugzeuge können heute landen, wir sind glücklicherweise eines davon. Wegen Sturms ist der Flughafen geschlossen. Die Landung ist etwas holprig. Der Flugkapitän sagte uns vorher, dass wir vielleicht nach Teneriffa ausweichen, die Nacht in einem Hotel einquartiert werden und erst morgen einen neuen Anlauf nehmen müssen. Wir haben jedoch Glück und sind nicht auf die Kanaren geflogen.....

Normalerweise (aber was ist schon zu heutiger Zeit noch normal?!) ist es zu dieser Zeit hier auf Madeira wunderschönes Frühlingswetter. Es gibt Wolken am Himmel und Sonne und es ist um die 18 - 20 Grad angenehm warm. Die Wiesen blühen und die Insel zeigt sich von ihrer besten Seite. Leider ist am 1. Tag hier das Gegenteil der Fall: Der Regen peitscht den Berg herunter, die riesigen Eukalyptusbäume biegen sich im Sturm, über dem Meer erleben wir eine Art superrasante Atlantikregenwolkengeschwindigkeit. Sieht atemberaubend aus, aber weit sehen können wir dadurch überhaupt nicht. So wie es aussieht werden wir erstmal ein wenig warten und hoffen, dass das wüste Wetter aufklart. Unser Tourplan wäre heute die Nordostseite der Insel gewesen. Genau von dort kommt der Orkan daher …!!

Madeira ist eine durch einen vulkanischen „Hotspot“ entstandene Insel, deren Vulkansystem als schlafend gilt, da der letzte Ausbruch im Bereich der Hochebene Paul da Serra etwa 6.000 bis 6.500 Jahre zurückliegt. Sie besteht hauptsächlich aus Basalt, ist sehr gebirgig und erhebt sich etwa 6 km vom Meeresboden. Die Insel entstand in mehreren Phasen über einen Hotspot vor etwa 5 bis 7 Mio. Jahren. Sie ist die Spitze eines massiven Schildvulkans, wobei nur ein Teil über dem Meeresspiegel liegt. Geologische Überbleibsel wie bizarre Felsformationen, steile Klippen (wie Cabo Girão) und schwarze Sandstrände sind Zeugen der vulkanischen Vergangenheit. Der Vulkan ist als "ruhend" eingestuft und daher gibt es keine Anzeichen für unmittelbar bevorstehende Ausbrüche. Unsere Unterkunft ist das Landhotel Atrio und liegt im Westen der Insel weit oben über dem Meer am Waldrand. Sehr romantisch und ruhig. Eine gute Empfehlung. Leckeres Essen im hoteleigenen Restaurant.

Am nächsten Tag regnet es endlich nicht mehr und auch der Wind hat aufgehört zu wehen. Wir fahren zunächst an der Südküste entlang, bis wir dann nach links abbiegen in Richtung Norden durch die Berge von Madeira. Unser höchster Punkt (stellt Andrea später fest) ist auf 1.460 m. Immerhin gar nicht schlecht für diese doch nicht ganz so große Insel. Wir erreichen nach etwa einer Stunde Fahrt durch tief eingeschnittene Täler und über Berghöhen den immer noch vom Wind aufgegepeitschten Atlantik mit knallweißer Gischt und dunkelblau-grünem Wasser. Davor die Kulisse der steilen Wände des Madeiragebirges - besser gesagt des Madeira-Vulkans. Ein tolles Bild, dass uns ein wenig an Island erinnert mit seinen rauhen wilden Küsten. Wir halten an echt traumhaften Miradouros - auf deutsch Aussichtspunkten - an, um Fotos zu machen und die Atmosphäre dort in vollen Zügen zu genießen. Andrea lässt ihre Drohne fliegen und wir sind gespannt, wie ihre Flug-Videos nachher ausschauen werden. Es gibt hier viele kleine Dörfer mit schnuckeligen Häusern und rotgedeckten Ziegel- Dächern. Nichts erscheint hier hektisch, selbst die Autofahrer verhalten sich ruhig und erstaunlich diszipliniert. LKW sehen wir überhaupt nicht. Alles geht irgendwie den Gang der Zeit.

Wer übrigens Salat mag mit Kapuzinerkresse (und mit den schönen bunten Blüten obendrauf geschmückt), der findet hier an jeder Ecke diese Pflanze in allen Farben rot gelb, orange, grün. Nur blau nicht. Massenweise, flächenddeckend, einfach überall. Als hätte der liebe Gott tonnenweise Samen dieser Kapuzinerpflänzchen über Madeira ausgeschüttet. Ein Hauptziel unserer Tour ist das kleine Dörfchen Santana im Norden Madeiras. Dort gibt es kleine dreieckige Häuser, die direkt auf dem Erdboden errichtet worden sind. Sie sind definitiv eines der herausragendsten Wahrzeichen der Gemeinde. Diese eigentümlichen Bauwerke bieten eine echte Reise durch die Geschichte der Insel. Die Materialien, aus denen die Casas de Santana gebaut wurden, zeugen von den Ressourcen, die in der Region historisch am meisten verfügbar waren: Die dreieckigen Häuser sind aus Holz gebaut, einem billigen und in dieser Gegend reichlich vorhandenen Material, das zum Temperaturausgleich im Inneren beiträgt. Darüber hinaus war das berühmte Strohdach eine weitere Möglichkeit, Nutzen aus dem Anbau von Getreide wie Weizen und Roggen zu ziehen. Die Neigung der Dächer gewährleistete die Wasserdichtigkeit der Häuser, denn so konnte das Regenwasser abfließen. Zudem ist die Außenseite dieser Häuser für ihre leuchtenden Farben bekannt: blau, rot und weiß. Im Inneren wiederum gab es nur einen Dachboden, um landwirtschaftliche Produkte zu lagern, und ein Erdgeschoss für den Wohnbereich, der in Küche und Schlafzimmer unterteilt war. Sie schauen echt goldig aus. Wir stehen vor einem solchen wunderschönen Motiv. Andrea hat ihre nicht übersehbare Sony-Kamera in der Hand. Hinter ihr stehen bestimmt fünf Leute mit Handy und iPad und möchten dasselbe Motiv fotografieren. Vor dem Motiv steht in aller Seelenruhe ein Ehepaar, was verzweifelt versucht, eine gerade erworbene Bonbontüte aufzumachen. Dauer mindestens 5 Minuten und die Tüte ist immer noch nicht offen. Einem Menschen hinter Andrea platzt der Kragen und er sagt zum Paar: „Könnten Sie bitte nicht zur Seite gehen und ihre Tüte woanders öffnen?!“ Und das Wunder geschieht tatsächlich. Der Weg war plötzlich frei für das Motiv und das iPad und die iPhones. Hunderte von Touristen und Andrea konnten aufatmen.

Matthias möchte gleich nebendran ein Foto vom Eingang eines Dreieckshäuschens machen und eine mittelalte blonde Frau mit ostdeutschem Akzent kommt auf ihn zu. Sie bemerkt, dass er das Foto machen will. Dann sagt sie unvermittelt „Ich gehe jetzt extra zurück und stelle mich wieder in den Eingang. Und zwar solange wie ich es will. Sie müssen warten mit ihrem Foto. Bis ich gehe.“ Soweit sind wir jetzt schon…. Bergauf schwächelt unser kleiner VW. Es geht gerade noch, so muss Andrea nicht aussteigen, um zu schieben. Aber er bringt uns langsam und sicher über die schmalen und steilen Straßen in der Bergwelt Madeiras. Mit echt vielen Haarnadelkurven. Übrigens der Benzinpreis für Normal-(Super)Benzin beträgt aktuell hier gerade einmal 1,81 € - in den heutigen Zeiten ist es ja wirklich schon ganz schön günstig, oder?! Heute kamen wieder zwei Ozeanriesen mit je 3.000 Passagieren in Funchal an. Dann stapeln sich die Reisebusse an den bekannten Aussichtspunkten. Die Bustüren gehen auf, die Passagiere steigen aus, Handy raus und zwei Fotos gemacht, meistens Selfies, rein in den Bus, Tür zu und weiter geht’s. Dauer ca. 20 Minuten.

Wir fahren noch mal in Richtung Norden und erreichen nach einer spannenden Bergtour das kleine Örtchen mit Namen Porto da Cruz direkt am Meer gelegen. Der Atlantik rauscht, es gibt relativ hohe Wellen, wir laufen um eine Art kleinen und wundersam aufgeschichteten Erdhügel herum auf einer asphaltierten Promenade und beobachten dabei das wilde Meer. Es spritzt und zischt. Manchmal hört es sich an wie grollender Donner und die Gischt spritzt meterhoch auf die pechschwarzen Basaltblöcke vom Ufer. Einige Mutige werden dadurch pitschnass. Aber so ist das heute auf dieser Welt. Wir bleiben trocken. Auf dem Rückweg besuchen wir im Ort noch ein kleines Unternehmen namens „Engenhos do Norte", eine Zuckerrohr- und Rumfabrik. Natürlich konnten wir es nicht lassen, uns eine leckere Flasche davon in unser Eigentum zu überführen.

Am Ende der Tour steht tatsächlich das Ende von Madeira. Damit ist die nordöstliche Spitze der Insel gemeint. Dort sieht es ganz anders aus als auf der übrigen Insel. Alles ziemlich flach und ein wenig wüstenartig, keine Vegetation, Felsen, rotbraune Erde. Und rundherum der Atlantik. Wir erwischen ein wenig Sonne und blauen Himmel. Beides führt dazu, dass das Wasser tiefblau-türkis aussieht und die Wellen noch weißer als sonst erscheinen. 

In der Bergwelt Madeiras gibt es Häuser, die wirklich an einzigartigen oder unmöglichsten Stellen gebaut wurden. Mehr oder weniger allesamt an steilen Berghängen. Ringsherum geht es also den Abhang runter, steile Treppen führen zur Haustür. Aber ein kleines Gärtchen hat fast jedes Haus mit Erbsen, Kartoffeln, Bohnen und anderes Gemüse. Und Kapuzinerkresse natürlich. Oft auch mit Orangen-, Pampelmusen- oder Zitronenbäumen. Den Rest haben wir im Detail (noch) nicht identifizieren können. Der Vulkan unter den Häusern spendet sehr fruchtbaren Boden zum Wachsen und Gedeihen.

Am Abend, als die regenbeladenen Wolken über die Berge hinter unserem Hotel kommen und die Sonne am untergehen ist, sehen wir einen Regenbogen von unserem Zimmer aus. Zum wiederholten Male. Immer an derselben Stelle. Diesmal riesengroß und hoch am Himmel. 


Einen Tag später besuchen wir in Funchal den berühmten Tropischen Garten. Man erreicht ihn mittels einer wunderschön ruhigen Seilbahnfahrt hoch über den Dächern der Hauptstadt auf dem sogenannten „Monte“. Der Park ist so eine Art japanischer Kunst-Garten. Sehr hübsch gestaltet mit vielen seltenen Pflanzen und Bäumen und natürlich auch zahlreichen japanischen Gestaltungselementen. Er liegt in einem Taleinschnitt, so dass man jede Menge Treppen, Brücken und Wege beschreiten muss. Natürlich immer nach unten. Das hat dazu geführt, dass wir uns dann erleichtert ein kleines süßes E-Taxi leisten, um ohne körperliche Mühen wieder ganz nach oben zum Eingang zu kommen. Insgesamt gefällt uns das ganze Teil gut. 

Wir wollen dann noch mit einer zweiten Seilbahn (keine 10 Minuten entfernt) den „Botanischen Garten“ von Funchal besuchen. Kaum dort an der eher hässlichen Beton-Seilbahnstation angekommen müssen wir jedoch feststellen, dass er wohl eher nichts für uns ist (weil es einfach viel zu wenig bunte Blumen, exotische Pflanzen, Bäume oder Ähnliches gab). Alles etwas unattraktiv und wenig aufregend trotz des nicht ganz geringen Eintrittspreises….

Also machen wir kehrt und fahren beide Seilbahnstrecken wieder herunter nach Funchal, also ganz nach unten. Anschließend ein wenig noch Schlendern an der Uferpromenade, ein riesiges Aida-Kreuzfahrtschiff anschauen und den bekannten Wochenmarkt von Funchal genießen. 

Die gestern von uns entdeckte und in Porto da Cruz gelegene Nordmühle mit Namen „Engenhos do Norte“ ist übrigens eines der wichtigsten lebenden Zeugnisse der historischen Zuckerproduktion auf der Insel. Der Besuch ist daher gleichbedeutend mit einer echten Reise in die Vergangenheit. Die Mühle wurde 1927 gebaut und mit Maschinen aus dem 19. Jhd. betrieben. Allerdings muss man bis ins 16. Jhd. zurückgehen, um seine Bedeutung zu verstehen. Als eine der drei alten Mühlen, die heute noch auf Madeira in Betrieb sind, ist dieser Ort wirklich ein echtes Museum. 

Der ausschließlich durch alkoholische Gärung und Destillation von Zuckerrohrsaft gewonnene Madeira-Rum ist eines der am meisten geschätzten traditionellen Produkte dieses atlantischen Archipels. Seine preisgekrönte Qualität ist das Ergebnis eines jahrhundertelangen Prozesses der Verfeinerung. Madeira Rum, auch bekannt als „Zuckerrohrschnaps“, hat einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 Vol%. Vom natürlichen Rum, dem Rohstoff für die typische „Poncha“, bis zum in Eichenfässern gereiften, edlen Madeira-Rum gibt es eine breite Palette zum Probieren. Man kann sich da echt reinsetzen…..!

Die Ursprünge des „Madeira-Brandes“, wie er gemeinhin genannt wird, gehen auf die Zeit der Entdeckung des Archipels zurück. Kurz nach der Ankunft der portugiesischen Seefahrer auf dieser Perle des Atlantiks, im 15. Jhd. begann die Einführung des Zuckerrohrs durch Stecklinge aus Sizilien. Schon damals wurde der Zucker zu einem der wichtigsten Produkte Madeiras (er wurde sogar als „weißes Gold“ bezeichnet). Er begann, auf das portugiesische Festland, in den Golf von Guinea, nach Afrika, Nordeuropa und in den Mittelmeerraum exportiert zu werden. Darüber hinaus ermöglichte der Reichtum dieses Rohstoffs die Entwicklung einer sehr produktiven Verarbeitungsindustrie. In der Folge wurden Produkte hergestellt wie z. B. Zuckerrohrsirup und natürlich Madeira-Rum. Anfangs wurde dieses Getränk mit sehr rudimentären Mitteln hergestellt, aber Ende des 19. Jhd. entstanden die ersten Brennereien für Zuckerrohrschnaps. Mit der Jahrhundertwende stieg die Nachfrage nach diesem einzigartigen Produkt erheblich an, sodass der historische Rum von Madeira in der ganzen Welt immer bekannter und begehrter wurde.

In der 'Casa do Rum' direkt neben der „Engenhos do Norte“ haben wir folgerichtig den 6 Jahre alten „Rum 970“ probiert. So lecker!!! Und schon gekauft.

Der Degenfisch (speziell der Schwarze Degenfisch) heißt auf Portugiesisch Espada preta oder einfach Peixe-espada preto. Er ist ganz schön hässlich anzusehen, aber trotzdem hier eine berühmte Spezialität, die in großen Tiefen gefangen und oft als Filet mit Banane (Filete de espada com banana) serviert wird. In den tiefen Gewässern ist der Schwarze Degenfisch kupferfarben. Erst beim Fang bekommt er durch die rasche Druckveränderung seine bekannte schwarze Farbe. Gefischt wird er mit Angeln mit einer Leine von 1.500 m Länge, an der bis zu 50 Hilfsangeln befestigt werden. In ihren Mägen fand man neben kleinen Tiefseefischen Aale, die auf ihrer Laichwanderung gefressen worden waren. Aber trotz dieses Mageninhalts schmeckt er total lecker. Man darf nur nicht an seinen Gesichtsausdruck denken.

Heute bewegen wir uns mehr oder weniger an der Küste entlang in den Nordwesten der Insel. Wir besuchen das bekannte Porto Moniz mit seinen aufregenden Meeresschwimmbecken, die direkt in den Atlantik übergehen. Eine sehr interessante Kombination zwischen aufgewühltem Meer, hohen Ozeanwellen und ruhigem Schwimmbad. Danach gibts bei Ribera da Janela noch einen Abstecher zu tollen, spitzen und löchrigen Felsformationen, die im Atlantik stehen. Sie erinnern uns ein wenig an den schwarzen Strand Reynisdrangar in Island, den es seit kurzem so nicht mehr gibt. Riesige Wellen haben ihn dort im Februar komplett abgetragen. Aber die vier Felsspitzen im Wasser stehen noch.

Abgestorbene, bizarr geformte Bäume im Nordwesten Madeiras finden sich vor allem im Fanal-Wald (Posto Florestal do Fanal), Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Laurissilva. Diese uralten Lorbeerbäume sind oft durch Nebel, Wind und Alter gezeichnet, was eine mystische, märchenhafte Atmosphäre schafft. Sie sind aber nicht alle gestorben…..

An vielen Hängen, insbesondere im Zentralgebirge (Pico Ruivo) und vereinzelt im Norden, zeugen knochenweiße, abgestorbene Baumstämme von verheerenden Waldbränden in den vergangenen Jahren.

Die Natur erholt sich langsam. Die toten Bäume stehen oft als Kontrast zur wiederkehrenden Vegetation. Und nachgewachsenen Lorbeerbäumen. Genauso krumm und verrückt anzuschauen. Um den stark besuchten Fanal-Wald zu schützen, wurden einige Baum-Bereiche eingezäunt und Wege vorgegeben. Und das ist wirklich gut so. Schutz vor Selfies produzierenden Touristen. Die besten Lichtverhältnisse und der berühmte Nebel ("Feenwald") entstehen durch wetterbedingte Feuchtigkeit meist am späten Nachmittag. Es scheint als würden dann die Wolken vom Himmel herab sinken. Nach ein paar Minuten sind unsere Haare klitschnass und die Klamotten ganz schön feucht.

Der Wald ist daher besonders für seinen Nebel bekannt, der die moosbewachsenen Bäume in eine märchenhafte Kulisse verwandelt. Diese mystische Atmosphäre hat uns so gefangen genommen, dass Andrea ausgerechnet über eine Wurzel gestolpert ist und ihr Schienbein einen leichten Schaden erlitten hat. Aber es ist nicht schlimm, alles wieder gut. Wir haben Glück und dürfen diese geheimnisvolle Stimmung heute intensiv miterleben. Einfach genial. Ein See, der Fanal Pond, der sich nach starken Regenfällen in einem alten Krater jeweils neu bildet. Ein Märchen. Verwunschene Hexen und Feen und Kobolde könnten hier wunderbar leben.


Madeira mit ihrem zerklüfteten, bergigen Gelände hat schon immer die Fantasie von Einheimischen beflügelt. Eine der faszinierendsten Geschichten dreht sich um die Existenz alter Tunnel unter der Insel - geheime Gänge, vergessene Stollen und unterirdische Verbindungen zwischen Tälern und Gipfeln. Seit Jahrhunderten kursieren Theorien über Tunnel, die von religiösen Orden, Schmugglern oder sogar von alten Zivilisationen gebaut worden sein sollen. Einige ältere Bewohner erzählen Geschichten von verborgenen Gängen, die zur Flucht vor Angriffen dienten oder zum Versteck von wertvollen Besitztümern genutzt wurden. Manche glauben, dass bestimmte Tunnel einst Klöster, Kapellen oder Küstenfestungen mit den Höhenlagen verbanden: Als geheime Fluchtrouten.

Daneben gibt es auch alte Straßen- und Eisenbahntunnel, die verschiedene Regionen verbanden, bevor moderne Schnellstraßen gebaut wurden. Einige dieser Tunnel sind heute verlassen und befeuern den Mythos vergessener Gänge. Die Faszination lebt also weiter - genährt durch Ruinen, Erzählungen und das ewige Geheimnis der madeirensischen Berge. Denn in jeder Legende steckt vielleicht ein Körnchen Wahrheit …… oder zumindest eine gute Geschichte…..

Madeira verfügt über eines der dichtesten Tunnelnetze der Welt mit über 150 Straßentunneln in einer Gesamtlänge von mehr als 80 km, die das gebirgige Terrain erschließen. Die modernen Schnellstraßen ermöglichen (auch uns) echt zeitsparende Touren, während ältere Küstenstraßen für ihre engen, rustikalen Tunnel bekannt oder zwischenzeitlich ganz gesperrt sind. Dieses ausgeprägte Tunnelnetz ist eine moderne Ingenieursleistung, die die Insel durchbrach wie einen Schweizer Käse, um zerklüftete Landschaften zu verbinden. Ursprünglich dienten Tunnel seit dem 16. Hd. nur dem Bau von Levadas (Wasserkanälen), um Wasser von der regenreichen Nordseite in den trockenen Süden zu leiten.

Der massive Ausbau der Tunnel für den Straßenverkehr begann erst im 20. Jhd. Das Vulkangestein der Insel machte den Bau extrem aufwendig. Der Ausbau diente zunächst der Verbindung von abgelegenen Dörfern mit den Wirtschaftszentren im Süden und der Förderung des Tourismus. Heute dagegen ist Madeira für seine dichte Folge von Brücken und Tunneln bekannt, die das Reisen auf der Insel, das früher Stunden dauerte, auf Minuten verkürzen.

Wir fahren noch einmal in den Norden der Insel und zwar durch das Tal, durch das wir am ersten Tag unserer Reise gefahren sind. Von Ribeira Brava nach Sao Vicente auf der anderen Seite der Insel. Nur, dass es dort vor ein paar Tagen noch regenverhangen und trübe war. Heute begrüßt uns die Sonne, blauer Himmel und schneeweiße Wolken. Wir benutzen diesmal nicht die gut ausgebaute Straße tief im Tal, sondern eine echte schmale Bergstraße (ER 105), die sich in ganz vielen kleinen und großen Serpentinen die Berge hoch schlängelt und dann wieder herunter. An vielen Stellen gibt es wunderschöne Aussichtspunkte, wo wir die grünbewachsenen Berge und Bergspitzen sowie enge Taleinschnitte in Ruhe betrachten können. Andrea macht einige Zeitraffer-Videos. An einer Stelle sind wir ganz alleine und weit vor uns „schwappen“ die weißen Wolken rasend schnell wie große Wellen über den Bergkamm herüber und bewegen sich dann nach unten. Warme Sonnenstrahlen und ein echtes Blau hoch über uns. Welch ein Ruhe! Ein toller Anblick! Fast wie Meditation….

Wir machen etwas weiter von ihr entfernt am Strassenrand halt: Bei der schneeweißen „Capelinha de Nossa Senhora de Fátima“ handelt sich um eine kleine Kapelle ganz allein auf einem Hügel in São Vicente. Man sieht aber eigentlich nur einen Kirchturm, nicht mehr. Sie wurde 1948 erbaut, ist bekannt für ihre markante Turmform und bietet einen Panoramablick über das hinter ihr liegende Tal und den Atlantischen Ozean. Und nun kommt das Beste: Der Kirchturm verfügt über vier Uhren, die jedoch oft unterschiedliche Zeiten anzeigen. Und niemand weiß, weshalb. „Frau Fatima“ bezieht sich meist auf die Jungfrau Maria, die 1917 drei Hirtenkindern im portugiesischen Fátima als „weiße Dame“ erschienen sein soll. Diese Marienerscheinungen gelten als katholische Botschaften des Gebets, der Bekehrung und des Friedens, was Fátima zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte weltweit machte.

Wir entschließen uns, nochmals in die Berge zu fahren und zwar auf einer Strecke, die wir bisher noch nicht kannten. Es geht hoch hinauf auf 1.100 m. Unser Ziel und Aussichtspunkt heisst „Miradouro Eira do Serrado“ und bietet einen Panoramablick auf ein kleines Dorf tief unten vor uns, das von der Pracht der charakteristischen grünen Berge Madeiras umgeben ist. Wir befinden uns im bergigen Landesinneren, im Kreis Câmara de Lobos, und damit in der Mitte der Insel. Die Zufahrt ist eine sich in sehr engen Kurven schlängelnde, immer enger werdende Bergstraße, auf der zwei Autos kaum noch aneinander vorbeikommen. Wir haben großes Glück, dass uns nicht ein riesiger Reisebus entgegenkommt. Das wäre echt problematisch geworden. So sind wir aber ohne Schwierigkeiten ganz nach oben gelangt.

Dieser Ort zeigt uns die erosive Wirkung der natürlichen Elemente, die die Insel im Laufe der Jahrhunderte geformt haben. Die Betrachtung dieses Gebirgsmassivs ist also eine Reise durch die jahrtausendealte Geschichte dieses im Atlantik gelegenen Gebiets. In einem abgeflachten Bereich dieses Tals von gewaltigen Ausmaßen liegt das Dorf Curral das Freiras, dessen malerisches Profil der Berglandschaft einen besonderen Reiz verleiht. Wie nicht anders zu erwarten, verzaubert der Aussichtspunkt Eira do Serrado sowohl Touristen als auch uns als Fotografie-Begeisterte und ist deshalb zu einem der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel Madeira geworden. Echt schön dort. 

Fast überall der Lorbeer & Eukalyptus:

Der Lorbeerwald (auch Laurissilva genannt ) auf Madeira ist ein 15.000 bis 22.000 ha ( = 20% der Inselfläche) großes, UNESCO-Weltnaturerbe-Gebiet, das als Relikt aus dem Tertiär gilt. Diese immergrünen Wälder, die vor 15 - 40 Mio. Jahren weite Teile Europas bedeckten, wachsen auf der Insel zwischen 300 und 1.300 m Höhe. Der Lorbeerwald ist ein wichtiger Wasser- und Feuchtigkeitsspender, schützt vor Erosion und ist essenziell für das hydrologische Gleichgewicht der Insel. Neben dem Azoren-Lorbeer wachsen dort der Stinklorbeer, Madeira-Mahagoni, Wacholder und der seltene Maiblumenbaum. Im Nordwesten, speziell im Gebiet Fanal, finden sich Jahrhunderte alte, moosbewachsene Lorbeerbäume, oft in Nebel gehüllt. 

Der allgegenwärtige und echt stark duftende Eukalyptus prägt landschaftlich weite Teile Madeiras, ist jedoch ein sog. invasiver Neophyt. Ursprünglich zur Holzgewinnung und Erosionsschutz gepflanzt, breitet er sich stark aus, drängt den heimischen, ökologisch wertvollen Lorbeerwald zurück und erhöht durch seine ätherischen Öle die Brandgefahr. Die Bäume können über 50 m hoch werden. Die Wurzeln sind extrem tief (bis 20 m), sie entziehen dem Boden viel Wasser und verdrängen heimische Arten. Eukalyptusbäume dienen als gute Bienenweide, weshalb der leckere Eukalyptushonig auf Madeira verbreitet ist. 

Eukalyptus duftet übrigens so stark, weil seine Blätter eine sehr hohe Konzentration an ätherischen Ölen, insbesondere Eukalyptol, enthalten. Dieser intensive Duft ist ein natürlicher Schutzmechanismus und hat verschiedene Funktionen: Der starke Geruch hält Insekten und Schädlinge fern, wodurch die Pflanze kaum von ihnen befallen wird. Die ätherischen Öle machen die Blätter für die meisten Tiere ungenießbar. Das Eukalyptusöl, das beim Reiben der Blätter freigesetzt wird, wird bei Menschen stark antibakteriell und entzündungshemmend. Es gibt auch spezielle Sorten, wie den Zitronen-Eukalyptus, der eine zitronenartige Duftnote verströmt.


REISEFAZIT:

7 Tage „Madeira intensiv“ reichen völlig aus, um diese Insel ausgiebig zu erkunden und kennenzulernen. Die Insel ist eher überschaubar klein.

Es gibt nur wenige Touristen-Hotspots wie z. B. Santana oder Funchal. Es verläuft sich - zumindest im April - doch einiges.

Die Preise in Restaurants und von Benzin sind moderat. Mitteleuropa ist im Verhältnis dazu immens teuer.

Die Qualität der Strassen ist im allgemeinen sehr gut. Die sog. „Autobahnen“ mit reichlich Tunnels und Schnellstraßen lassen sich bestens befahren. Man kommt echt schnell voran. LKW gibt es so gut wie gar keine. Die portugiesischen Autofahrer auf der Insel kann man allerdings nicht zu den freundlichsten der Welt zählen. Wer zuerst kommt, hat Glück.

Wandern an bzw. auf den Levadas ist für Freaks wahrscheinlich echt gut in dieser herrlichen Natur. Man muss es aber wirklich wollen. Wir haben es nicht gemacht und können uns daher darüber auch kein Urteil darüber erlauben.

Der Klimawandel macht auch hier nicht halt. Die Insel wurde vor unserer Ankunft wochenlang von Kälte, Stürmen, Regen heimgesucht. Wir brachten die Sonne mit und seitdem explodiert die Natur. Es blüht, dass die Schwarte kracht.

90 % aller Parkplätze sind kostenlos.
Extrem lecker: Der Poncha Madeira. Er ist das traditionelle, alkoholische Nationalgetränk - ein intensiver Cocktail aus Zuckerrohrschnaps (Aguardente de Cana), Bienenhonig und Zitronensaft. Der Mix wird oft mit dem Holzquirl „Caralhinho“ schaumig gerührt. Neben der klassischen Zitrone gibt es beliebte Varianten mit Maracuja oder Orange. 

Und zum Abschluss in Porto do Sol der Start einer Oldtimer Rallye. Das waren noch richtige Autos. Der älteste Teilnehmer aus England, der die portugiesische Sprache als zu schwierig empfindet und sich mit zwei Krücken fortbewegt, ist 91 Jahre alt. Nur sein Mercedes hatte nicht das Alter.